[Lesung]: Aufklären und einmischen – Der NSU-Komplex und der Münchener Prozess

Ende August erschien das Buch „Aufklären und Einmischen. Der -Komplex und der Münchener Prozess“ (Verbrecher Verlag, 18 Euro). Mit der Publikation zieht NSU-Watch einerseits ein Resümee des NSU-Prozesses. Es führt zurück in den Gerichtssaal und beschreibt anhand maßgeblicher Akteur*innen den Prozessverlauf. Das Urteil im Münchener Prozess aber hat keinen Schlussstrich unter den NSU-Komplex gezogen. Zu vieles – etwa zum Netzwerk des NSU und zur staatlichen Mitverantwortung an den Morden und Bombenanschlägen – ist weiterhin unaufgeklärt. „Aufklären und Einmischen“ ist daher andererseits keine detaillierte Nacherzählung des Prozesses. Stattdessen legt NSU-Watch entlang des Prozesses seine Perspektive auf den NSU-Komplex, rechten Terror und dar. Dabei geht es auch um die Entwicklung der Arbeit von NSU-Watch – in der Hoffnung, Hilfestellung auch für andere Aktive zu geben.

Wann: 13.12.2021

Wo: Café Median (Niklotstr. 5/6)

Hier könnt ihr „Aufklären und Einmischen“ bestellen.

Außerdem sind wir bei Indymedia auf eine Aktion von Antifas in Krakow am See anlässlich des 10. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU aufmerksam geworden. Das feiern wir so doll, dass wir das hier auch zeigen wollen. Solidarische Grüße an euch!

[MV] Tapeten und Banner zur Erinnerung an die NSU-Morde

Zum 10. Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU wurden in Mecklenburg-Vorpommern Tapeten aufgehängt sowie ein Banner in der Nähe eines Schauplatzes des NSU aufgehängt. Der NSU ermordete in Rostock Mehmet Turgut und beging in Stralsund 2 Banküberfälle.

Der Nationalsozialistische Untergrund ermordete in seiner Wirkungszeit mindestens 10 Menschen aus neonazistischen, rassistischen Motiven. Bis heute hält sich die Behauptung, dass das Kerntrio isoliert gearbeitet habe und das Unterstützer-Umfeld wird verschwiegen, obwohl es mehr als genug Anhaltspunkte gibt. Auch die Verstrickungen des Verfassungsschutzes in das rechte Terrornetzwerk sind noch längst nicht aufgearbeitet und viele Fragen bleiben offen.

Im beschaulichen Örtchen Krakow am See machte das NSU Kerntrio ganze 4 Wochen lang Urlaub auf einem Campingplatz. Womit haben sie dort ihre Zeit verbracht? Mit welchen lokalen Neonazis haben sie Kontakt gehabt und haben sie von ihnen Tipps für ihre Anschlagsziele erhalten?

Bei einer Hausdurchsuchung in Krakow am See wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde in einer Privatwohnung eine CD mit der Aufschrift „NSU“ gefunden. Der Besitzer wisse angeblich nicht, wie diese CD in seinen Besitz gekommen ist. Das Nicht-Wissen, Vertuschen und Verheimlichen zieht sich auch seit der Selbstenttarnung durch den ganzen NSU-Komplex.

Neben den regelmäßig stattfindenen Gedenkveranstaltungen in Rostock soll die Aufmerksamkeit nun auch auf einen weiteren Ort fallen, in dem der NSU sich aufgehalten und mit großer Wahrscheinlichkeit Pläne für die rassistische Mordserie geschmiedet hat. So wurde vom Krakower Aussichtsturm gut sichtbar ein Transparent aufgehängt, welches auf die fehlende Aufklärung des NSU-Unterstützernetzwerkes aufmerksam macht. Außerdem wurden im Stadtgebiet und Umland in Mecklenburg Tapeten aufgehängt.

Es müssen endlich ALLE NSU-Akten freigegeben und eine wirkliche Aufklärung ermöglicht werden. Rechte Terroristen sind keine Einzeltäter. Nazis und ihre Netzwerke müssen gerade in Zeiten von halle, Hanau und NSU 2.0 mit allen Mitteln bekämpft werden!

In Gedenken an:Enver Şimşek

Abdurrahim Özüdoğru

Süleyman Taşköprü

Habil Kılıç

Mehmet Turgut

İsmail Yaşar

Theodoros Boulgarides

Mehmet Kubaşık

Halit Yozgat