ANTIFA UNITED

Rostock

Stadtteilspaziergang in Gedenken an Mehmet Turgut

Am Sonntag, den 19.02.2023, beteiligten sich etwa 20 Antifaschist*innen in Rostock-Toitenwinkel an einem Stadtteilspaziergang in Gedenken an Mehmet Turgut. In diesem Stadtteil wurde er am 25.02.2004 vom NSU ermordet.

Die Antifaschist*innen verteilten zahlreiche Aufkleber und Plakate, die an Mehmet Turgut erinnern sollen, zeitgleich wurde vereinzelte Nazipropaganda entfernt.

In Zeiten von erneuter rassistischer Mobilisierung gegen Geflüchtetenunterkünfte, von rechten Netzwerken im Staatsapparat, Preppern und Rechtsterrorismus finden wir es umso wichtiger, den Opfern rechter und rassistischer Morde zu gedenken. Kommt deshalb am Samstag, den 25.02.2023, um 14 Uhr zur Gedenkveranstaltung am Neudierkower Weg in Toitenwinkel.


Mehmet Turgut wurde am 2. Mai 1977 in Kayalık geboren. Später lebte er in Hamburg, kurze Zeit vor seinem Tod zog er nach Rostock. Dort half er am 25. Februar 2004 in einem Imbiss im Neudierkower Weg aus, als Neonazis des “Nationalsozialistischen Untergrunds” ihn kurz nach 10 Uhr erschossen.

Mehmet wurde nur 25 Jahre alt. Er wurde aufgrund seiner Herkunft getötet und war eines von neun Opfern der rassistischen Mordserie des NSU-Netzwerks. Erst Jahre nach seinem Tod wurde dies anerkannt, zuvor ermittelten die Behörden vor allem im Umfeld der Familie Turguts und ließen rassistische Motive außer Acht.

Auch nach dem Auffliegen des Kerntrios des NSU-Netzwerks, Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe, kann nicht von einer Aufklärung der Mordserie gesprochen werden. Das Unterstützernetzwerk der Neonazis wurde im NSU-Prozess kaum in den Blick genommen, stattdessen wurde das Bild eines größtenteils eigenständig agierenden Trios gezeichnet. Dass die drei Neonazis zahlreiche Morde, Anschläge und Banküberfälle in weit entfernten Teilen Deutschlands ohne Unterstützung lokaler Faschisten durchführten erscheint jedoch fragwürdig, zumal gute Vernetzungen der drei innerhalb der rechten Szene belegt sind.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gab es mit großer Wahrscheinlichkeit Neonazis, die bei dem Mord an Mehmet Turgut und Banküberfällen in Stralsund Unterstützung leisteten. Kontakte zu langjährigen Kadern aus MV wie David Petereit (NPD MV) und Hans Günter Eisenecker (ehem. NPD­-Landesvorsitzender) liegen noch immer im Dunkeln. Der erste Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum NSU, der nach langem Ringen 2018 eingesetzt wurde, brachte nur wenig neue Erkenntnisse zutage. Mit der neuen Legislaturperiode wird der Ausschuss fortgesetzt, auch werden dort aktuelle Nazinetzwerke wie Nordkreuz oder Baltic Korps behandelt. Es bleibt abzuwarten, wie ertragreich die Arbeit im Parlament Licht ins Dunkel bringen kann.

Wir müssen unsere Lehren ziehen und mit antifaschistischer Recherche und Selbstschutz dazu beitragen, dass Nazis und ihre terroristischen Netzwerke handlungsunfähig gemacht werden. Erinnern heißt kämpfen.